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07.07.2012

Jetzt endlich komme ich dazu meine Austritt aus Facebook zu kommentieren. Es war viel los diese Woche und wenn nicht die Leute so reagiert hätten auf meinen Austritt, würde ich es hier gar nicht kommentieren. Ich mache das jetzt einmal und gut ist. Später werde ich denke ich auf den Beitrag verlinken.

Meine Sicht und mein Umgang mit Facebook und anderen Kanälen hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verändert. Meine ganze Sicht auf die Welt im allgemeinen und wie ich mich verhalten will ebenso. Ich habe mich dazu entschlossen, Facebook, Google+ und Bloglovin wegfallen zu lassen. Facebook nervt mich mittlerweile derartig auf vielfältige Weise. Sei es die ständigen Mails die einen drängen doch mal wieder vorbei zu schauen, weil man ja gerade weltbewegendes verpasst oder die Firmenpolitik von Facebook. Privates habe ich eh nicht auf Facebook geteilt und Menschen habe ich dann doch lieber im Alltag getroffen, als auf Facebook zu chatten oder ähnliches. Google+ hat mir nie gefallen und ich habe den Account auch dauernd vergessen zu füttern. Bloglovin habe ich eh nur den Eintrag, aber nichts weiter damit gemacht. Was ja auch kaum geht bei deren Konzept. Also fiel es auch weg.

Aber zurück zu Facebook. Offensichtlich wird man heutzutage schief angeguckt bzw. angemacht, wenn man Facebook verlässt obwohl man einen Blog und oder eine Website hat. Man muss doch für sich werben und Menschen sammeln die einen liken oder sogar Fan werden sollen. Man verliert doch Freunde wenn man geht und ist wieder allein. Es reicht auch einfach so Facebook fern zu bleiben. Was für ein Verbrechen. Es ist wie wenn man sagt man trinkt keinen Alkohol. Man wird zu einer Antwort warum genötigt. Jeder trinkt doch hin und wieder Alkohol. Jeder ist doch bei Facebook. Und hey das Datensammeln ist doch gar nicht so wild. Stell Dich doch nicht so an. Daten werden doch heute am laufenden Band gesammelt und Du kannst eh nichts dagegen tun, also finde Dich damit ab und hab Spaß auf Facebook. Bullshit. Nur weil Firmen so viele Daten sammeln und verwerten können, heißt es noch lange nicht, dass das auch in dem Rahmen und Ausmaß ok ist.

Facebook könnte wirklich toll sein, wenn es sich nicht so allmählich zu Stasibook wie Jacob Appelbaum es so treffend formuliert hat entwickelt hätte. Jeder überwacht auf die eine oder andere Art jeden. Heute geht es Facebook ums Daten sammeln, diese auszuwerten und möglichst gewinnbringend zu benutzen. Ich werde hier jetzt nicht die Datenschutzrichtlinien einzeln runter beten, aber wenn man nur mal die ersten Absätze liest, wird einem klar wie viele Daten Facebook sammelt und, dass der Nutzer eben nicht über alle Daten die gesammelt werden die Kontrolle hat. Es reicht längst nicht mehr nur bestimmte Sachen auf seinem Profil zu zeigen und andere Dinge zu verbergen bzw. gar nicht erst anzugeben. Facebook zieht Querverbindungen zu anderen Nutzern, vergleicht Daten und das alles im Namen der Verbesserung von Facebook. Und eben nicht nur Daten die auf Facebook direkt herumschwirren, sondern auch Daten die über Apps und Plugins an Facebook „gefunkt“ werden.

Was mich immer unglaublich genervt hat zum Beispiel ist, wenn mich jemand ohne zu fragen auf einem Bild markiert hat oder einfach eines von mir hochgeladen hat. Wenn ich selbst keine Partybilder von mir hochlade oder angebe an welchem Ort ich mich gerade befinde, dann soll das gefälligst auch kein anderer tun. Wenn ich dann die entsprechende Person darum gebeten habe, das Bild zu löschen oder die Markierung in Zukunft sein zu lassen, gab es nicht nur einmal Streit. Auch den Begriff Freund hat Facebook vollkommen zerstört. Viele haben zig „Freunde“ auf Facebook, aber nicht einen der da ist wenn man ihn braucht. Aber das ist nur ein kleiner Teil dessen, was mich an Facebook störte.

Richtig genervt war ich weniger von den Funktionen die zur Verfügung standen als mehr von Facebooks Firmenpolitik. Seit ich ein Profil da hatte fühlte ich mich nicht recht wohl damit und auch regelmäßig verarscht. Als dann die Chronik angekündigt wurde und Leute dazu animiert wurden einen Lebenslauf von sich selbst zu erstellen war für mich der Punkt erreicht, an dem ich ernsthaft drüber nachdachte Facebook zu verlassen. Stellt Babyfotos Eurer Kinder ein, zeigt wo ihr im Urlaub ward und was ihr so für ein Zuhause habt. Je mehr Info desto interessanter wird Euer Lebenslauf und desto mehr Freunde werdet ihr finden. Womit wir wieder beim lieben Datenschutz sind.

Datenschutz wird ja offensichtlich nicht so groß geschrieben bei Facebook. Auch wenn sie das Gegenteil behaupten. Regelmäßig ändert Facebook etwas ohne den Nutzer ausreichend zu informieren oder überhaupt zu informieren. Letzte Aktion war ja der Mist mit der Änderung der Email-Adressen zu @facebook.com. Der Punkt der bei mir das Fass zum überlaufen brachte und die Löschung meiner Accounts nach sich zog. Besonders charmant war auch die Abstimmung über den Datenschutz bei Facebook durch die Nutzer, von der die meisten Nutzer aber nichts gehört hatten oder erst im Nachhinein. Somit hat am Ende Facebook den eigenen Kopf durchgesetzt, weil ja die Beteiligung nicht groß genug gewesen war und daher null und nichtig.

Als ich meine Accounts schloss habe ich mein Archiv angefordert und dann später von Facebook herunter laden können. Mittlerweile weiß ich aber, dass diese Datei tierisch unvollständig ist. Sie enthält offensichtlich nur ca. 22 der eigentlich 84 verfügbaren Datensätze laut dieser Website. Hier mal eine kleine Übersicht welche Daten Facebook ganz sicher speichert.
Im Grunde genommen hat Facebook von mir wissentlich und unwissentlich Daten bekommen, über die ich keinerlei Kontrolle habe und enorme Probleme habe überhaupt zu erfahren was genau Facebook alles über mich weiß oder wie lange diese Daten gespeichert werden oder an wen sie weitergegeben werden. Absolut unakzeptabel. Bitte korrigiert mich, wenn es irgendwo eine Info dazu gibt wie lange Facebook Daten wirklich speichert und welche Subunternehmen oder andere Unternehmen noch von den Daten profitieren. Facebook selbst formuliert das nämlich höchst schwammig und behält sich am Ende alle Wege offen.

Dass es auch anders geht zeigen ja Unternehmen wie Twitter. Wo wir beim Recht des einzelnen Nutzer sind. Kleines Beispiel wieder. Wikileaks ist ja mittlerweile jedem ein Begriff. Der eine oder andere wird auch davon gehört haben, dass ein US-Gericht von Twitter und wohl auch anderen Plattformen, Daten verlangt hat und aber gleichzeitig diesen Plattformen einen Maulkorb verpassen wollte, damit sie ihren Nutzern nicht Bescheid sagen. Facebook hat die Nutzer nicht informiert und brav die Klappe gehalten. So weit ich weiß bis heute. Auf Anfrage gibt es kein Kommentar nach meinem Kenntnisstand. Twitter zum Beispiel zog aber für seine Nutzer vor Gericht und erstritt das Recht die Nutzer, über die Anfrage und das was die Anfrage beinhaltet zu informieren. Was sie schon mal deutlich sympathischer macht als Facebook. Sie können sich zwar nicht dem US-Recht widersetzen und müssen die Daten rausrücken, aber der Nutzer bekommt die Möglichkeit sich zu wehren, weil er davon weiß. Die Gerichtsverfahren von den Wikileaksunterstützern z.B. sind noch im Gange. Und es geht dabei nicht nur um Nutzer innerhalb der U.S.A. Sondern auch um europäische Bürger. Nur mal so am Rande erwähnt. Und keiner davon ist ein Verbrecher.

Die USA versuchen ja gerade ein bescheuertes Copyrightgesetz nach dem anderen durchzubringen. SOPA, PIPA, ACTA und wie sie alle heißen. So zum Beispiel auch das Gesetz CISPA.

Runter gebrochen auf die Basics können Firmen ohne Gerichtsbeschluss Daten an die Regierung geben ohne, den Nutzer benachrichtigen zu müssen wenn diese Daten von der Regierung angefordert werden. Da dies freiwillig geschieht müsste es ja nicht unbedingt gleich zum Problem werden, aber Facebook ist seit Stunde 1 Unterstützer von CISPA. Ich finde das nicht ok bedenkt man mal zu wie vielen Daten Facebook Zugang hat und wie viel Macht Facebook mittlerweile besitzt. Es betrifft mich ja anscheinend nicht als deutscher Nutzer von Facebook, aber die Tatsache allein, dass Facebook da mitmacht reicht mir als Grund das nicht ok zu finden. Da Menschenrechtsaktivisten in den U.S.A. es jetzt schon schwer haben, kann man sich nur ausmalen was kommt, wenn dieses Gesetz verabschiedet wird und wie viele dann einfach mal als Kriminelle abgestempelt werden und somit Daten angefordert werden. Es sind ja jetzt schon Apps im Umlauf, die eigentlich z.B. die Occupybewegung unterstützen sollen, aber nur Daten sammeln und diese an Behörden weiter geben. Ich sagt nur 1984. In manchen Ländern der Welt reicht eine IP-Adresse um abgeknallt zu werden. Völlig egal ob man derjenige war der sich darüber eingewählt hat. Aber das führt jetzt zu weit. Ich bin auch dafür Urheber besser zu schützen. Ich bin ja selbst einer, aber die bisherigen Entwürfe waren so daneben, dass einem nur schlecht werden konnte. Aber das kommentiere ich wie gesagt an dieser Stelle nicht weiter. Es geht ja noch um Facebook.

Weiteres Beispiele dafür, dass bei Facebook irgendwas schief läuft ist die folgende Geschichte über die ich gestolpert bin. Facebook kann offensichtlich auch Werbung mit Deinen Statusmeldungen machen. Ohne Dich zu fragen. Hier ein kleines Beispiel. Der Herr fand ein Produkt, das er besonders lustig fand und postete es mit einem kleinen Satz auf seiner Pinnwand. Facebook machte daraus Amazon-Werbung und benutzte seinen Namen und sein Profilbild darin. Geht´s noch? Ich würde nicht wollen, dass mein Bild und mein Name neben einem Produkt als Anzeige erscheint ohne gefragt zu werden. So wie ich das sehe kann sich der Nutzer auch nur im Nachhinein dagegen wehren und wird wohl auch eher mäßigen Erfolg damit haben.

Oder eine andere Anekdote. Ich habe auf meinem Handy eine Facebook-App die ich nicht deinstallieren kann per Knopfdruck. Meine Stiefschwester hat diese auch und nutzt sie auch hin und wieder. Vor kurzem wurde nun ein Update dieser App angeboten und sie lud dieses herunter. Nach ein paar Tagen an ihrem Geburtstag wunderte sie sich warum sie dauernd Meldungen von ihrer Pinnwand bekam. Das Handy war nur noch am piepen. Sie war sich aber sicher das nicht eingestellt zu haben. Schnell wurde klar, dass mit dem Update diese Einstellung und andere Einstellungen einfach angeschaltet bzw. verändert wurden. So zum Beispiel auch die Positionserkennung. Facebook wusste über den Zeitraum des installieren des Updates bis zur schließlichen Entdeckung mehrere Tage später, wo genau meine Stiefschwester sich in diesem Zeitraum befand. Und auch teilweise mit wem, wenn jemand in ihrer Nähe die App auch aktiv hatte zum Beispiel. Stichwort Datenauswertung durch Facebook laut Datenschutzerklärung. Creeeeeepy!! Ich weiß nicht ob sie es mittlerweile abstellen konnte, aber das ist doch echt fies oder? Schon allein, dass ich die App nicht selbst löschen kann nervt. Sie ist vorinstalliert und es gibt Gerüchte, dass wenn man die eigenmächtig runter rupft keine Firmwareupdates mehr angeboten bekommt.

Da ich nicht will, dass Facebook weiter Daten von mir bekommt, habe ich also beschlossen Facebook fern zu bleiben. Ich werde keine Like-Buttons mehr damit drücken und auch nicht auf Facebook-Posts etc. verlinken. Somit gibt es auch auf meinen Webseiten keine Like-Buttons mehr und keine Widgets für Facebook. Das verhindert zwar immer noch nicht vollständig, dass Facebook irgendwie an meine Daten kommt, aber es schränkt den Datenfluss erheblich ein. Ich hoffe ich konnte nun plausibel erklären warum ich nicht mehr von Facebook begeistert bin. Klar kann man Facebook anders sehen und auch einfach die Datensammelleidenschaft von Facebook akzeptieren und einfach nicht die eigenen Rechte und Sicherheit so wichtig nehmen, aber das ist nicht mein Bier. Ich verurteile keinen der bei Facebook ist und wie wild Sachen teilt und Produkte promotet, aber ich habe einfach für mich entschieden, dass ich es nicht weiter tun will. Wer mich dafür als paranoid oder dämlich oder als Spaßverderber beschimpft interessiert mich nicht, also spart Euch den Rant in den Kommentaren, sondern diskutiert in anständigem Ton mit mir falls Euch danach ist. Alles andere wird kommentarlos gelöscht. Ich erwähne das deshalb, weil ich schon so einiges an blöden Mails erhalten habe. Hätte ich übrigens nicht mit gerechnet, da meine Facebook Page zum Blog zum Beispiel ja nur 9 Leute hatte bisher. Und von denen hat sich noch nicht mal einer beschwert danach. Das waren Leute von denen ich noch nie gehört hatte. Lustig oder? Aber genug der Erklärung. In der Sidebar findet ihr die aktuellen Portale und Möglichkeiten zum folgen des Blogs. Mehr gibbet nicht :o). Ich habe wirklich lange damit gehadert aus Facebook rauszugehen, aber wenn man sich nicht wohl fühlt bei einem Anbieter, sollte man einfach ihn verlassen auch wenn er noch so populär ist. Weitere Änderungen des Blogs gibt es ab November. Es gibt nämlich noch so ein paar Entscheidungen die ich getroffen habe, über die ich aber aufgrund von noch laufenden Verträgen noch nicht reden kann.

Hier sind übrigens noch zwei englische Blogartikel die ich als lesenswert erachte, weil zum Beispiel einer davon auch das Thema Kunst und Nacktheit anspricht und wie Facebook damit umgeht. Etwas schräge Ethik hat der Verein…

http://hazeldooney.blogspot.fr/2012/05/about-facebook.html?zx=6517bebcdcffdd4e

http://blog.seanbonner.com/2012/04/15/on-leaving-facebook/

Nachtrag:

Hier sind noch ein paar Punkte der Kritik die ich gar nicht angerissen habe. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann ich aber nicht garantieren, weil es eben Wikipedia ist. http://de.wikipedia.org/wiki/Facebook#Kritik

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